Zuhause gefunden - Tisha

 

Als die kleine Hündin zu sich kam war sie bewegungsunfähig. Sie konnte nicht einordnen, ob sie sich auf Grund der starken Schmerzen nicht bewegen konnte oder ob ihre Beine wirklich ihre Funktion verloren hatten. Sie wusste nicht wo sie war und wie sie dorthin gekommen war. Sie konnte sich lediglich an einen dumpfen Schlag erinnern...

Tagelang lag sie einfach da, gefangen in Schmerz, Kälte und Angst. Sie wartete, ob sich etwas ändern würde, ob jemand sie aus dieser schrecklichen Lage befreien würde. Sie verweigerte das Futter, sie verspürte nur Übelkeit und die Schmerzen raubten ihr die Sinne.

Doch dann spürte sie plötzlich, dass es sich lohnen würde zu kämpfen. Irgendetwas gab ihr die Sicherheit, dass es sich lohnen würde zu überleben.

Sie begann zu essen. Ein paar Tage später begann sie sich mit den Vorderbeinen voranzuziehen. Als nächstes versuchte sie sich aufzurichten. Sie brach zusammen, immer und immer wieder. Es gelang ihr einfach nicht Gewicht auf ihre Beine zu bringen. Ihre Hinterbeine taten nicht was sie ihnen befahl. Sie gab nicht auf, sie versuchte es immer und immer wieder- trotz aller Schmerzen. Und irgendwann stand sie. Auf wackeligen Beinen und nur einen kurzen Moment, doch die kleine Hündin war aufgestanden. Sie hatte sich zurück ins Leben gekämpft. Tage später machte sie die ersten Schritte. Sehr kleine Schritte. Winzige Schritte. Doch sie wollte leben, sie kämpfte sich voran, Schritt für Schritt.

Als Sara Kohl der kleinen Hündin in Sighisoara/ Rumänien im städtischen Auffanglager begegnete, hatte diese schon zwei Monate gekämpft. Sie stand auf schwachen Beinen vor ihr, war stark abgemagert und zitterte am ganzen Körper vor lauter Kälte. Sara war sofort klar, dass die kleine Hündin dringend medizinische Hilfe in Deutschland brauchen würde. Und sie ahnte, welch unglaubliche Schmerzen die Kleine durchlebt haben musste. Daher gab sie ihr den Namen "Tisha", das bedeutet willensstark.

Wenig später trat Tisha die Reise nach Deutschland an. Die Röntgenbilder waren niederschmetternd. Das Urteil verschiedener Tierärzte machte wenig Hoffnung. Kaum einer wollte glauben, dass ein Hund mit diesen Verletzungen in der Lage wäre zu stehen. Doch Tisha stand nicht nur, Tisha lief!

 

Tisha ist für uns ein kleines Wunder. Ein winziger Hund, der kämpft wie ein Löwe, gegen alle Widrigkeiten des Lebens. Sie zeigt, dass der Glaube Berge versetzen kann und dass es sich lohnt zu kämpfen. Immer!

Wir beschlossen Tisha nun alle Hilfe zukommen lassen, die sie braucht. Sie hatte sich bei einem Autounfall eine mehrfache Fraktur des Beckens, eine Femurluxation und einen Totalabriss der Bänder des Kniegelenkes zugezogen. Um das Beste aus den durch den Unfall entstandenen anatomischen Verhältnissen zu machen, hat sich Tisha zwei Operationen unterziehen müssen und anschließend mit Hilfe von Physiotherapie gelernt, die Bewegungsabläufe zu verbessern. Tisha hat dies alles tapfer gemeistert.

 

Zu ihrem großen Glück fehlte dann nur noch ein eigenes Zuhause. Hier hat erneut das Schicksal seine Hände im Spiel, wieder zu Gunsten von Tisha. Eine liebe Pflegestelle nahm die schwerkranke Berta aus Rumänien bei sich auf, mit der Absicht ihr ein Zuhause zu geben, wenn das gesundheitliche alles abgeklärt ist. Leider hat es die kleine Berta nicht geschafft und wir mussten sie über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Des einen Leid, des anderen Freud. Tisha hat es mit ihrem Charme geschafft, diese Pflegeeltern davon zu überzeugen, dass Berta nur aus einem Grund den Platz frei gegeben hat und das sie, die kleine Tisha, genau die Richtige ist, um den Platz neu zu besetzen.

Nach 7 Monaten intensiver Pflegezeit ist Tisha in "ihr" Zuhause umgezogen und hat nun ihr Glück gefunden. Sie darf Einzelprinzessin sein und die ganze Aufmerksamkeit ihrer Familie genießen. Ein alter Kater leistet Tisha Gesellschaft. Ihr werden die Wünsche von den Augen abgelesen und es wird alles dafür getan, dass es ihr gut geht.

Durch viele kleine Spaziergänge und die Fortsetzung der Physio-Übungen, verbessert sich Tisha´s Laufbild ständig weiter. Zur Unterstützung bekommt sie weiter Futterzusätze für die Gelenke und Schmerzmittel.  Tisha schert sich um  all das nicht. Sie ist ein kleine, fröhliche und alberne Zaubermaus, die allen um sich herum ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ihre Familie ist super glücklich mit ihr und würde sie um nichts in der Welt eintauschen.

Die Kleine Tisha hat es allen gezeigt und ihrem Namen alle Ehre gemacht. Sie hat es allen Zweiflern gezeigt. Ihr Wille zu Leben, zu Laufen und glücklich zu sein, hat über alle körperlichen Einschränkungen gesiegt. 

 

Wir wünschen ihr weiterhin alles Glück dieser Welt und nie den Verlust ihres starken Willens. 


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