Ierapetra

Diese Stadt im Südosten Kretas ringt schon seit Langem damit, ob man unsere Arbeit gut oder schlecht finden soll. Anfänglich (wir reden hier von Jahrzehnten) mochte man uns nicht. "Wir nehmen die Arbeit weg"", "es ist gegen die Religion", "unnatürlich", "wir (der Tierärztepool) können nicht operieren"... waren die Argumente einer - das Elend ignorierenden - Region.

Im Juni 2018 die komplette Wende. Die Vorbereitungen hierzu liefen seit Monaten und durch den Druck der lokalen Tierschützer (bei denen ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte!) und durch das Verständnis eines wundervollen Vizebürgermeisters, reisen wir am 19.06. mit unserer Entourage an. Es werden respektvolle Tage, perfekt geplant und mit vollem Einsatz. Der Vizebürgermeister ist die ganze Zeit anwesend, arbeitet mit, kümmert sich um alles und ist sich für nichts zu schade. Würde es von diesen Menschen in verantwortungsvollen Positionen doch mehrere geben! Selbst die Kontrolle durch den Amtsveterinär nehmen wir alle gelassen hin und man übersetzt uns, dass er dem Vizebürgermeister sogar gratuliert hat. Die umgebauten Räumlichkeiten, die die Stadtverwaltung übernommen hat, liegen zwar auf dem Gelände eines stillgelegten Schlachthofes, aber erstens kennen wir dies und zweitens schafft dieser Ort während unserer Zeit etwas Sinnvolles. Sehen wir es als eine Art Wiedergutmachung. Und das gleich 84 mal.


Infos

  • Projektzeitraum: seit 2018
  • Ansprechpartner: griechenland@tieraerztepool.de
  • Schwerpunkt: Kastrationen von Straßentieren in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung

Bild des Tages für den 22.07.2019

Letzte Neuigkeiten

22.07.2019 Kreta

"Was machst du bei einer Kastrationsaktion?", frage ich ihn.
"Tja, wäre meine Mutter rechtzeitig hier gewesen, hätte ich mir meinen Besuch sparen können. Es war nicht meine Entscheidung hierherzukommen. Ich mag ja Ärzte nicht so besonders - ich wurde hierher gebracht."
"Und wo ist dein Mutter?", frage ich. "Du bist zu klein, um ohne Aufsicht die Stadt zu erkunden."
"Meine Mutter ist Zuhause an ihrer Kette, aber ich musste unbedingt weg. Unser Mensch hat mich von ihr weggenommen, ins Auto gepackt und dann an einer Mülltonneausgesetzt."
"Und deine Geschwister?"
"Ich habe keine. Da wo ich wohne werden alle bis auf eines entsorgt. Ich habe gehört dass es unmoralisch ist, alle Babies zu töten. Eins übrig zu lassen ist das Beste. Ich war derjenige, der Glück hatte und durfte bei meiner Mama leben. Bis jetzt."
"Und dann?"
"Dann habe ich einige Tage unter dieser Tonne verbracht. Ich bin so klein, dass ich mich gut verstecken konnte. Aber es war so heiss und es ging mir dann schlecht. Ich wollte stark fur meine Mama sein, musste aber weinen, weil ich Hunger und Durst hatte und soeinsam war. So hat mich diese komische weinende Frau entdeckt und zu euch gebracht."
"Mein Kleiner! Du bist krank. Ich habe hier keine diagnostischen Möglichkeiten, denn ich hier nur zum kastrieren. Deine Symptome aber sind sehr eindeutig: Du hast Parvoviros. Und ehrlich gesagt - du bist so winzig, dass ich nicht weiss ob du es schaffst. Ich werde es aber versuchen dir zu helfen und alles tun, was in meiner Macht steht."

Als er wenig später seinen letzten Atemzug machte, waren wir bei ihm. Als er diese Welt verlassen hat, habe ich ihm versprochen, dass alles besser wird und dass er uns irgendwann eine schönere Geschichte erzählen kann.

Tagesbilder-Archiv

Einsatzberichte

  • 2018
  • Wie ich es mit meiner „Entschuldigung“ für nicht unverzüglich nach den Einsätzen folgende Berichte unserer Tierärztinnen bereits angekündigt habe, gibt es hier nun nahezu „live“ aus ...
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