Biskui 19.12.2015 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Dr. Marga Keyl
Tierärztin

Als ich morgens in die Klinik der Bons Amigos in Praia kam, standen die Leute wie immer Schlange. Die meisten kommen zum Entwurmen und Entflohen ihrer Tiere, aber auch viele andere Dinge sieht man hier, die einem einiges abverlangen. Die Möglichkeiten der Diagnostik sind stark begrenzt. Wir haben unsere Hände, unsere Augen, unsere Ohren und das Fieberthermometer. Schleimhäute beurteilen, Herz, Lunge und Bauch abhören, die Tiere abtasten. Sind die Schleimhäute weiss, hat der Hund aller Wahrscheinlichkeit nach Ehrlichiose, eine hier sehr weit verbreitete und von Zecken übertragene Krankheit, die durch Blutparasiten verursacht wird. Sind die Schleimhäute gelb, hat der Hund wahrscheinlich ein Virus, das die Leber befällt. Auch sehr weit verbreitet in Praia und hochansteckend für andere Hunde, geimpft wird hier leider kaum. Ist der Bauchraum mit Flüssigkeit gefüllt, kommen Herzerkrankungen oder Tumoren des Bauchraumes in den Sinn. Bei Erbrechen und Durchfall klingeln die Alarmglocken am lautesten, an Parvovirose haben wir schon viele Hunde verloren.

Nun stand also "Biskui" vor mir, mit ihrer sehr besorgten Besitzerin. Sie würde seit 5 Tagen erbrechen und nun sei der Bauch so angeschwollen. Kastriert sei sie nicht, aber trächtig kann sie nicht sein. Wenn möglich, würde sie sie auch gerne kastrieren lassen.
An die generelle Naivität muss man sich stark gewöhnen, und würde ich Criolo sprechen, hätte ich sie wahrscheinlich freundlich gefragt, warum sie denn erst jetzt mit dem Hund in die Klinik kommt.

Angeschwollen war untertrieben, der Bauch war zum bersten gefüllt. Abtasten war da Fehlanzeige. Da die Besitzerin eine Trächtigkeit ausschloss (was man auch immer kritisch hinterfragen muss), entnahmen wir ein Bauchpunktat, um herauszufinden, was für eine Art Flüssigkeit sich im Bauchraum befand. Bei Lebertumoren zum Beispiel oder bei Herzerkrankungen handelt es sich meist um eine gelbliche Flüssigkeit. Diese hier jedoch war rot-braun und roch nicht sehr angenehm. Geplatzter Milztumor vielleicht? Dafür ging es dem Hund zu gut. Operieren und nachgucken musste ich auf jeden Fall.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass mir die gesamte Flüssigkeit entgegenläuft, das war aber nicht der Fall. Zunächst sah es so aus, als wäre die Hündin doch hochträchtig, doch je mehr ich meinen Schnitt vergrößerte, desto mehr staunte ich. Zum Vorschein kam eine Gebärmutter, die bis zum bersten gefüllt war. Das die noch nicht geplatzt war, war reines Glück. Vorsichtig holte ich sie Stück für Stück heraus, und immer, wenn ich dachte, das muss es doch jetzt mal gewesen sein, fühlte ich, daß da noch mehr ist. Zum Glück konnte ich sie ohne weitere Komplikationen entfernen und somit auch dem Wunsch der Besitzerin nachkommen, den Hund zu kastrieren.

Es ist erstaunlich, wie gut die Tiere so eine Operation wegstecken. Langsam wachte sie aus der Narkose auf und startete sogleich die ersten, noch wackeligen Schritte. Die Besitzerin war überglücklich, als sie ihren Hund am nächsten Tag so schlank in Empfang nehmen konnte. Vorsichtig wurde "Biskui" in Plastiktüten und Decken verpackt, und mit dem Hund auf dem Arm verließ sie strahlend die Klinik. Wir hoffen, daß sie in Zukunft ihre Hunde frühzeitig zur Kastration bringt.


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