Die Reise nach Kreta 30.10.2008 Tierschicksal

Die Reise nach Kreta war mal wieder nichts Besonderes ...... Für uns. Für Tiny Tim schon. Wir erwarteten Frieda, den LKW-Fahrer, der 20 Tonnen klitzekleiner Weihnachtsgeschenke von Lübeck auf die tief im südlichen Mittelmeer gelegene Insel bringt. Kleine Weihnachtsgeschenke, nicht für uns, sondern für unzählige Straßentiere. Sheba, Cäsar, Pedigree stand überall drauf und endlos viele "Engel" helfen, wie bereits das ganze Jahr über, beim Verteilen.Tiny Tim weiß von alledem nichts. Es ist ihm auch, ehrlich gesagt, völlig egal. Er ist vielmehr mit sich selbst beschäftigt, besser gesagt, mit seinem Hinterbein. Frieda erreicht Heraklion. Ohne besondere Vorkommnisse. Nur müde sieht er aus. Was los war wollen wir wissen. "Habt Ihr schonma jeduscht und den Duschkopp über euch jehalten und das Wasser is schräch an euch vorbei jeloofen?" grinst er mit seinem trockenen Humor. Da fällt es uns ein; Sturm war angekündigt. Armer Frieda. Hau Dich erstmal hin, wir laden später aus.

An Schlaf ist bei Tiny Tim nicht zu denken. Er dreht sich im Kreis. Fast taub vor Schmerzen. Was eben passiert ist, ist für ihn nicht verständlich.Wir wenden uns unserer Arbeit zu. Frieda schläft. Es gibt immer viel zu tun, wenn wir auf Kreta sind. Was im Einzelnen wir tun, werde ich nicht erzählen, aber mit Sonne, Strand und Meer hat es auf jeden Fall nichts zu tun.Tiny Tim lebt noch. Sein Bein ist unterhalb des Fußwurzelgelenkes ab. Irgendwie ist die Blutung zum Stillstand gekommen. Kleine Knochensplitter ragen aus dem rohen Fleisch. Der Sturm hat nachgelassen. Frieda besucht uns. "Na, gut geschlafen?" fragen wir ihn und seine freche Antwort lautet: "Könnte euch uch ma nich schaden, so wie ihr ausseht. Wie viele habt ihr denn schon?" Knapp 200 lautet unsere Antwort. "Bin stolz uf Euch", murmelt er und greift zu seinem Kaffeebecher. In diesem Moment greift auch Freida zu. Sie hat Tiny Tim gepackt und drückt ihn an sich. Du brauchst Hilfe, kleiner Mann, flüstert sie in ihrem ureigenen Englisch und starrt auf seine Wunde. " Verdammt, nicht schon wieder einer", denkt sie und geht im Geiste ihre offenen Tierarztrechnungen durch. Heute ist Sonntag. Der Weihnachtsmann hat 550 km vor sich. Friedas Schlitten setzt sich mit einem Ruck in Bewegung. Ich begleite ihn. Ines bleibt zurück.

Keine Zeit für Pausen. Sie hat für diese Woche den Wichtigkeitsstatus Nr.1 auf der Insel eingenommen. Sechs Stationen liegen vor uns. Sechs Stationen, an denen sich unzählige kleine Engel einfinden und helfen, den Schlitten abzuladen. Sie schleppen kistenweise die Gaben in ihre Keller und Lagerräume, um sie in der kalten Jahreszeit den Hungrigen und Hilfebedürftigen zu bringen. Welch eine heilige Tat, die sich aber von gleichgenannter Weihnachtsstimmung darin unterscheidet, dass allen Engeln am nächsten Tag die Glieder schmerzen.Auch Tiny Tim tut alles weh. Aber er hat etwas zu Fressen bekommen und auch zu Trinken. Freida hat seine Wunde gespült und verbunden. Sie staunt über den Lebenswillen dieses kleinen Geschöpfes.

Wir verabreden uns mit ihr an der Schnellstraße. Freida & Collin bekommen seit Jahren ebenfalls Futter von uns für ihre Station. Frieda, unser LKW-Fahrer und Freida die Tierschützerin drücken sich zur Begrüßung.Dazwischen Tiny Tim. "Wollte ihn dir nur mal zeigen", sagt Freida und damit ist klar, wer uns begleitet. Freida ist erleichtert und überglücklich und ich drei verletzte Kilo schwerer.Nach 16 Stunden ist der Schlitten leer. Alle Lager sind gefüllt. Wir sind todmüde. Ines auch. Sie hat heute alleine 63 geschafft.Tiny Tim schläft in meinem Arm einer fröhlichen Weihnachtszeit entgegen. Ich spüre sein Herz schlagen und denke an die fröhliche Weihnachtszeit die vor uns liegt. Mit all ihrem Kitsch- und Kaufwahn. Mit ihrem Stress- und schlechte Laune Paket. Mit ihren gestopften Puten und erschlagenen Karpfen.Wenn es die Kinder auf dieser Welt nicht gäbe, würde mir der Herzschlag von Tiny Tim völlig genügen um Weihnachten zu spüren. Echtes Weihnachten.

Bei diesem Transport war die Rückführung der Boxen ungemein wichtig. Aus der gesamten Republik wurden die Boxen eingesammelt und nach Lübeck ins Lager gebracht, sortiert, ausgebessert und auf die Palettenstapel für die entsprechenden Partner gepackt. Die Familie Bercht hat dabei emsig mitgeholfen. Danke an sie und alle, die gesammelt haben!!


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