Rhodos - Rückblick auf 2016 21.01.2017 Gedanken

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

66 sehr arbeitsreiche Tage liegen hinter uns. Tage in denen sich von früh bis spät alles um die uns gebrachten Tiere drehte. Tage, die sich im Ablauf so sehr ähnelten, dass wir jedes Gefühl für Wochentage und Uhrzeiten verloren. Tage, die trotzdem völlig verschieden waren, da jeder von ihnen uns vor völlig neue Herausforderungen stellte.
66 Tage die zu dem fantastischen Ergebnis von 2161 kastrierten Tieren und weiteren 290 Operationen führten und somit unserer aller Erwartungen bei weitem übertraf.
66 Tage für die Tiere von Rhodos - und deren Menschen.

Die Vorstellung, welch enorme Zahl an Kätzchen im kommenden Frühling nicht geboren werden, denen nichts als Hunger, Krankheit und Leid bevorgestanden hätte, ist überwältigend. Diejenigen, die jetzt kastriert sind, führen zwar weiter kein einfaches Leben, doch sehen sie schon auf den ersten Blick weit besser aus als ihre unkastrierten Kollegen, da sie ihre Energie jetzt nur noch für sich selbst benötigen. Katzen mit Kerbe im Ohr begegnen uns inzwischen sehr häufig und sind immer ein kleiner Grund zur Freude.Nina Schöllhorn

2451 Operationen sind schon auf den ersten Blick eine stolze Zahl und lassen einiges an Arbeit vermuten. Doch was an Vorbereitung und Organisation vor und während dieses Projektes nötig war ist immens. Ich bin stolz auf alle Beteiligten, von denen jeder seinen Teil zum Erfolg des Ganzen beigetragen hat. Neben Melanie, Antonia und mir, waren auch unsere neuen Tierärztinnen Doerte und Tanya mit an Bord. Großartige Hilfe leisteten im OP ebenfalls Nina Kujat und Fabian. Ich glaube nur wir können wirklich nachvollziehen, wie man sich fühlt wenn jeden Tag eine scheinbar nicht enden wollende Anzahl an Katzen den OP auf der einen Seite betritt und auf der anderen wieder verlässt. Katzen, Katzen, Katzen von früh bis spät. Große, kleine, bunte, schwarze, strubbelige, glänzende, laute, leise- doch letztlich immer Katzen. Die Vorstellung, wie im Anschluss an unseren Aktion jede dieser Katzen an ihrem ursprünglichen Ort ein besseres, unbeschwerteres Leben führt beflügelte uns während der ganzen Aktion. Und ich bin sicher, dass es all den Helfern rund um die Aktion genauso ging.

Das Team von "Flying Cats e.V." hat organisatorische Höchstleistungen vollbracht, was die Einteilung von Helfern, Fängern und das Buchen von Flügen angeht und war auch ständig selbst aktiv vor Ort. Denn ohne all die fleissigen Hände, die dafür sorgten, dass all die Hunde und Katzen überhaupt auf unserem OP-Tisch landen, käme keine Aktion zu Stande. Wer noch nie bei einer Aktion dabei war, kann sich mit Sicherheit nicht vorstellen, welcher Aufwand damit verbunden ist die Tiere zum Ort des Geschehens zu bringen und auch wieder zurück. Das Einfangen der Katzen ist fast eine Wissenschaft für sich und erfordert einiges an Erfahrung. Glücklicherweise konnten wir hier auf einige sehr geschickte Fänger zurück greifen, die für jede Katze die richtige Fangmethode bereit hatten. Am nächsten Tag müssen die Katzen exakt an der Fangstelle wieder ausgesetzt werden, also muss genau dokumentiert werden wo, welches Tier herkommt. Jeden Tag muss eine Unmenge an Transportboxen und Fallen geputzt und desinfiziert werden. Schwache und kränkliche Tiere werden ein paar Tage lang gepflegt und aufgepäppelt, ehe sie kräftig genug sind um alleine auf der Straße klar zu kommen. Unzählige Notfälle sind auf längere medizinische Hilfe angewiesen und bedürfen intensiver Pflege.

Einige Tiere können auf Grund ihres Gesundheitszustandes überhaupt nicht mehr auf die Straße zurück und werden auf Pflegestellen untergebracht, bis sich ein endgültiges Zuhause findet. Auch hier tragen unzählige Helfer in Deutschland ihren Teil zu dem Großen und Ganzen bei, in dem sie in organisieren, Fahrten übernehmen, Tiere aufnehmen und und und. Es ist ein enormes Netzwerk welches über die Jahre entstanden ist und bereit steht um zu helfen wenn es von Nöten ist. Es ist ein tolles Gefühl Teil dessen zu sein und selbst mit eigenen Augen zu sehen, was alles möglich ist, wenn nur alle an einem Strang ziehen.

Die Vorstellung welch enorme Zahl an Kätzchen im kommenden Frühling nicht geboren werden, denen nichts als Hunger, Krankheit und Leid bevorgestanden hätte ist überwältigend. Diejenigen, die jetzt kastriert sind, führen zwar weiter kein einfaches Leben, doch sehen sie schon auf den ersten Blick weit besser aus, als ihre unkastrierten Kollegen, da sie ihre Energie jetzt nur noch für sich selbst benötigen. Katzen mit Kerbe in Ohr begegnen uns inzwischen sehr häufig und sind immer ein kleiner Grund zur Freude.

Doch natürlich begegnen wir alle auch überall den noch vielen, vielen immer noch unkastrierten. Und noch immer sehen wir uns den Würfen von ausgesetzten Hundewelpen gegenüber, die uns hilflos machen , da es alles andere als einfach ist, eine zufriedenstellende Lösung für sie zu finden. Die Situation des städtischen Tierheims ist und bleibt schwierig und die Neuaufnahme von Tieren ist auf Grund des dauerhaft überfüllten Zustandes an sich nicht möglich, doch nicht zu umgehen, aus Mangel an Alternativen. Drangvolle Enge in viel zu kleinen Zwingern, Stress, Bewegungsmangel, Beissereien und Krankheiten sind keine Situation der immer neuen Hunde ausgesetzt werden sollten. Ich denke wir alle sind einer Meinung, dass es einfach nur so viele Tiere geben sollte, dass ihnen ein lebenswertes Leben ermöglicht werden kann. Alles was darüber hinaus geht bedeutet Leiden, welches wir mit aller Kraft verhindern wollen.

Daher muss es weitergehen auf Rhodos. Wir haben Visionen und Vorstellungen, wie es weitergehen könnte mit dem Tierschutz auf dieser Insel. Ein Traum wäre es eines Tages sagen zu können "365 Tage für Rhodos".
Doch das ist noch ein langer Weg...


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